BUND fordert Stopp von immer mehr Müll- und Holzverbrennung

14. Oktober 2026 | Ressourcenschutz, Energiewende

Europa verfügt über fast 65 Millionen Tonnen ungenutzte Verbrennungskapazität

Gemeinsam mit mehr als 80 weiteren Organisationen fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einem heute veröffentlichten offenen Brief ein europaweites Moratorium für neue Müllverbrennungsanlagen und konsequente Investitionen in die Kreislaufwirtschaft. Anlass der Forderung ist eine aktuelle Untersuchung von Zero Waste Europe, einem europäischen Netzwerk für Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft, mit dem der BUND eng zusammenarbeitet. Demnach bestehen in der EU bereits rechnerische Überkapazitäten von fast 65 Millionen Tonnen pro Jahr. Trotzdem werden in Deutschland neue Müll- und Holzverbrennungsanlagen geplant und bestehende erweitert.

Janine Korduan, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim BUND, erklärt: „Deutschland ist der größte Müllverbrennungsmarkt der EU. Wir verbrennen wertvolle Rohstoffe und bauen immer noch neue Verbrennungskapazitäten für Müll und Holz. Das ist eine Sackgasse für Klima- und Ressourcenschutz. Jeder neue Ofen muss über Jahrzehnte mit Abfällen versorgt werden, obwohl unser mittelfristiges Ziel – wo immer möglich – zero waste sein muss. Ein großer Teil dessen, was heute im Restmüll landet, könnte vermieden oder getrennt gesammelt und recycelt werden. Statt in Verbrennungsanlagen zu investieren, brauchen wir Geld für Abfallvermeidung, Mehrweg, Reparatur, Wiederverwendung und Recycling. Das schafft Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung, während die Verbrennung wertvolle Rohstoffe unwiederbringlich zerstört.“

Deutschland baut Müllverbrennung weiter aus, auch Holzverbrennung

Im Jahr 2022 verfügte die EU über Verbrennungskapazitäten für rund 198 Millionen Tonnen Abfall – tatsächlich verbrannt wurden jedoch nur etwa 134 Millionen Tonnen. Deutschland ist der größte Müllverbrennungsmarkt der EU. Allein in deutschen Anlagen wurden hierzulande über 40 Millionen Tonnen Abfall verbrannt. Zusätzlich wurden in Frankfurt am Main, Dresden, Hannover-Stöcken, Nürnberg-Sandreuth und Berlin-Reuter West neue Anlagen für Müll oder Biomasse geplant bzw. genehmigt.

Der BUND fordert, neben dem Neubau und der Erweiterung von Verbrennungsanlagen, auch eine Steigerung der Mitverbrennung von Abfällen, Ersatzbrennstoffen und Altholz in bestehenden Kraftwerken auszuschließen. 

Kreislaufwirtschaft statt Verbrennung finanzieren

Bislang fehlt es an einer systematischen Ermittlung der Investitionsbedarfe für Kreislaufwirtschaft, insbesondere bei Ländern, Landkreisen und Kommunen. Der BUND fordert von Bund und Ländern deshalb eine verbindliche Finanzierungsstrategie für die Kreislaufwirtschaft. Notwendig sind mehr Mittel für tatsächliche Infrastruktur, zum Beispiel Abfallvermeidung, Mehrweg und hochwertiges Recycling. Öffentliche Gelder sollten dafür und nicht für zusätzliche Verbrennungskapazitäten verwendet werden.

Hintergrund: 

Im Rahmen der Global Week of Action übergibt Zero Waste Europe am 14. Oktober 2026 einen gemeinsamen Brief von mehr als 80 Organisationen an die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten. Die Unterzeichner fordern ein Moratorium für neue und erweiterte Müllverbrennungsanlagen, eine bessere europäische Kapazitätsplanung und die konsequente Förderung von Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling.

Müllverbrennung ist auch für das Klima problematisch: Bei der Stromerzeugung aus Müll entstehen einschließlich des biogenen CO2 rund eine Tonne CO2 pro Megawattstunde – eine Größenordnung, die mit Kohlekraftwerken vergleichbar ist. Dass CO2 aus der Verbrennung von Holz, Papier und anderen biogenen Abfällen in der üblichen Treibhausgasbilanzierung gesondert behandelt wird, ändert nichts daran, dass es am Schornstein freigesetzt wird. Holz ist viel zu wertvoll für die Verbrennung, die gleichzeitig den Erhalt unserer Wälder als Klimaschützer gefährdet. Die Holzverarbeitungs- bzw. Recyclingindustrie steht in direkter Konkurrenz dazu. 

Bei der kommunalen Wärmeplanung setzen viele Kommunen auf die Müllverbrennung. So sinnvoll es ist, die Abwärme zu nutzen: werden deshalb dauerhaft hohe Abfallmengen eingeplant unterläuft dies die Ziele der Abfallvermeidung und des Recyclings. In Frankfurt am Main ist 2025 eine Kapazitätserweiterung von 525.600 auf 660.000 Tonnen jährlich genehmigt worden. In Dresden ist mit RING30 eine neue Anlage für jährlich 145.000 Tonnen Abfall geplant. Zudem entstehen bundesweit neue Großanlagen zur Holzverbrennung. In Hannover-Stöcken ging 2025 ein Biomasse-Heizkraftwerk in Betrieb, das auf rund 200.000 Tonnen Altholz jährlich ausgelegt ist. In Nürnberg-Sandreuth wurde eine weitere Anlage mit einem geplanten Brennstoffdurchsatz von rund 109.500 Tonnen jährlich beantragt. Auch in Berlin-Reuter West ist ein neues Biomasse-Heizkraftwerk geplant.

Mehr Informationen:

Kontakt: 

  • Janine Korduan, BUND-Expertin für Kreislaufwirtschaft, Tel.: +49 30-27586433, janine.korduan(at)bund.net
  • BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak
    Tel.: +49 30 27586-497 | -531 | -464 | -425
    presse(at)bund.net

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